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Demenz - ein Thema unserer Zeit
"Cafe Schlosser" - Demenzbetreuung

Angesichts der demographischen und gesellschaftspolitischen Entwicklung in unsere Gesellschaft stellt sich die Frage wie ein „ Altern in Würde“ aussehen kann. Familiäre Strukturen wandeln sich, die Lebenserwartung steigt und die Zahl der alten und sehr alten Menschen nimmt zu. Damit einhergehen spezifische Alterserkrankungen.

Es gibt einen normal zu bezeichnenden Rückgang geistiger Fähigkeiten im Alter. Wenn sich das Verhalten jedoch gravierend ändert, liegt der Verdacht  nahe , dass es sich um eine Demenz handelt.

Klassifiziert wird Demenz laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) als:

„Organisch bedingter, fortschreitender Verlust zuvor vorhandener geistiger Fähigkeiten. Komplexes  Symptombild eines chronischen Verwirrtheitszustandes mit Gedächtnis-, Wahrnehmungs- und Denkstörungen, Desorientiertheit, Persönlichkeitsveränderungen und in der Folge auch körperlichen Abbau“

Die Alzheimer-Krankheit hat einen Anteil von etwa 50% an den Demenzerkrankungen

Ein gesunder Mensch erlebt sein Dasein als einen kontinuierlichen Zustand. Er weiß um seine Person, kennt Datum und Ort, an dem er sich befindet,, und die Absichten, die er mit einer Handlung verfolgt. Für einen verwirrten Menschen kann die Welt in zeitliche Bruchstücke zerfallen, die Umgebung wird verzerrt wahrgenommen und Bezugspersonen nicht erkannt. Es gelingt ihm zunehmend weniger, sich an der Gegenwart zu orientieren. Die Fähigkeit , Erlebtes zu ordnen und ihm Sinn zu verleihen, geht verloren. Der Betroffene erlebt dies als Kontrollverlust, der das Selbstwertgefühl negativ beeinflusst. Das Gefühl sich nicht verständigen zu können und unverstanden zu sein, kann zu Trauer und Verzweiflung führen. Einige Patienten reagieren darauf erregt und aggressiv, andere werden still, lethargisch und ziehen sich zurück. Bei chronischer Verwirrtheit werden durch die Beeinträchtigung der Gedächtnisleistung selbst größere Lebensabschnitte vergessen. Die Suche nach Vertrautheit wird zum zentralen Thema. Da häufig Erlebnisse aus früheren Erwachsenenzeit präsent sind, wird versucht, Lebensumstände und Rollen aus dieser Zeit wieder zu finden. Außenstehende interpretieren dieses Verhalten als „Weglaufen“. Das Erleben und Verhalten verwirrter Menschen variiert stark.

Die Pflege eines Demenz-Patienten ist für Familienangehörige mit erheblichen Belastungen verbunden. Meist  ruht die Hauptlast der Betreuung in der Familie auf den Schultern einer Person ( des Ehepartners, der Tochter oder der Schwiegertochter), die oft selbst schon älter und auf Dauer der enormen Belastung nicht gewachsen ist. Daher bieten wir als Ev. Pflegezentrale Hilfen für die tägliche

Unterstützung bei  der Versorgung von Demenz-Patienten an, denn ständige Überforderung führt zu Unzufriedenheit, Hektik und Aggressionen und schadet dadurch auch dem Kranken.

Im Sommer 2008 startete die Ev. Pflegezentrale Gießen, in Zusammenarbeit mit der Pankratiusgemeinde Gießen, die Einrichtung eines Gruppenangebotes zur Betreuung Demenz-Kranker. Jeden Donnerstag wird, für drei Stunden, in den Räumen der Pankratiusgemeinde eine solche Gruppe angeboten werden.

Helfen kann außerdem der Gedankenaustausch mit Angehörigen und anderen Betroffenen in einer Selbsthilfegruppe. Wir bieten monatlich eine Gesprächsrunde. Termine und Anmeldungen bei der Ev. Pflegezentrale  unter der Rufnummer 0641-9260060.

Ein spezielles Krankheitsbild erfordert auch spezielle Konzepte. Die Ev. Pflegezentrale hat  ein Betreuungskonzept entwickelt mit dem Ziel:

Pflegende Angehörige regelmäßig, stundenweise, von der Betreuung des Demenzkranken  zu entlasten. Den Klienten bietet die Betreuungsgruppe die Möglichkeit, Gemeinschaft für einige Stunden in einem „geschützten Raum“ zu erfahren. Anerkannte Therapieansätze, wie Integrative Validation und Basale Stimulation, werden wir umsetzen.
 

AUSGANGSSITUATION und FINANZIERUNG

Der Aufbau von niedrigschwelligen Angeboten zur Verbesserung der Versorgungssituation, insbesondere für demenzkranke Menschen, wird durch das Pflegeleistungs-Ergänzungsgesetz gefördert.

Mit diesem Anliegen will der Gesetzesgeber den Aufbau eines Netzes aus unterschiedlich abgestuften, bedürfnisorientierten und gemeindenahen Hilfen und Versorgungsangeboten unterstützen.

Zu den niedrigschwelligen Angeboten zählen:  z.B. Betreuungsgruppen für Demenzkranke und die Betreuung in
der häuslichen Umgebung des Demenzkranken.

Niedrigschwellig ist ein Betreuungsangebot dann, wenn geschulte ‚HelferInnen’ (BetreuerInnen) auf ehrenamtlicher Basis (oder im Niedriglohnsektor) unter pflegefachlicher Anleitung die Betreuung in der Gruppe oder im häuslichen Bereich übernehmen.

Die Finanzierung der Betreuungsnachmittage kann – zumindest teilweise –  über § 45 c SGB IX erfolgen.

Hier wird die Möglichkeit der Förderung eines niedrigschwelligen Angebotes durch die Spitzenverbände der Pflegekassen festgeschrieben. Im Rahmen der Vergütung durch die Leistungen der Pflegekassen haben die Betroffenen oder ihre Angehörigen die Möglichkeit der Rückvergütung des finanziellen Aufwandes für die Betreuung.

Hierzu ist eine gesonderte Antragstellung bei der Pflegekasse erforderlich.
 

ZIEL DES BETREUUNGSGRUPPENANGEBOTS

Die pflegenden Angehörigen sollen regelmäßig stundenweise von der Betreuung des Demenzkranken entlastet werden, so dass sie den gewonnenen zeitlichen Freiraum unbeschwert nutzen können.

Dadurch können die Angehörigen Kraft für die weitere Betreuungsleistung schöpfen.

Den Klienten bieten die Betreuungsgruppen die Möglichkeit, Ge­meinschaft für einige Stunden in einem „geschützten Raum“ zu erfahren.
 

ORGANISATION DER BETREUUNGSANGEBOTE

Die Evangelische Pflegezentrale Gießen hat ein solches Angebot in Gießen für Interessierte aufgebaut.

Dabei wird die Organisation, die fachliche Begleitung, Betreuung und Koordination von Mitarbeiterinnen der Evang. Pflegezentrale geleistet.

Ehrenamtliche bzw. niedrigschwellige Helfer und Helferinnen werden durch den Förderverein Ev. Pflegezentrale Gießen e.V. gestellt und betreut. Die Räumlichkeiten in der Innenstadt werden von der Pankratiusgemeinde Gießen zur Verfügung gestellt. Für ergänzende Leistungen steht die Georg-Schlosser-Stiftung mit Hilfe zur Verfügung.

Insofern arbeiten die Evangelische Pflegezentrale Gießen, der Förderverein Ev. Pflegezentrale Gießen e.V., die Pankratiusgemeinde Gießen und die Georg-Schlosser-Stiftung zu diesem Zweck eng zusammen.
 

PERSONELLE AUSSTATTUNG

Die Betreuung in der Gruppe wird  1:1 oder 1:2 durchgeführt. Das bedeutet, dass eine Betreuerin für höchstens zwei zu betreuende Klienten zuständig ist. (Der Betreuungsschlüssel ist abhängig von der Ausprägung des Krankheitsbildes bei den Klienten.)

Die Leitung innerhalb der zu betreuenden Gruppe, liegt bei einer qualifizierten Fachkraft (KoordinatorIn) der Ev. Pflegezentrale Gießen.


AUFGABEN DER KOORDINATORIN/ DES KOORDINATORS

Ein Schwerpunkt der Aufgaben der KoordinatorIn liegt im wesentlichen in der Schaffung eines anregenden, vor allem Sicherheit und Geborgenheit vermittelnden Umfeldes. Dazu ist es erforderlich, dass ein breites und fundiertes Fachwissen über das Krankheitsbild Demenz sowie über die unterschiedlichen Formen und Aus­prägungen vorhanden ist.

Die KoordinatorIn knüpft und hält Kontakt zu den einzelnen Diensten und Organisationen im Sozial- und Gesundheitswesen. Sie steht den Angehörigen als erste Ansprechstelle zur Verfügung. Die Informationssammlung für eine Aufnahme in die Gruppe wird von ihr erstellt und sie holt erforderliche Informationen von ambulanten Diensten oder den betreuenden Ärzten ein und gibt ebenso Informationen an diese Stellen weiter.

Im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit wirbt sie für das Projekt und für ehrenamtliche MitarbeiterInnen.

Für die MitarbeiterInnen ist sie erster Ansprechpartner und fachlicher Begleiter in der Betreuungssituation. Die organisatorischen Rahmenbedingungen (Einkaufen und Besorgen von Kaffee und Kuchen, benötigten Gegenständen...) findet ebenfalls unter ihrer Anleitung statt.

Der erforderliche Dienstplan für die einzelnen Betreuungstage ist von ihr in Zusammenarbeit mit den zugeordneten BetreuerInnen zu erstellen.

Sie führt die Wartelisten für die Anmeldungen, entscheidet über die Aufnahme in die Gruppe und hält den ständigen Kontakt zu Angehörigen.

Weiterhin organisiert sie die erforderlichen Fortbildungen und Arbeitstreffen in regelmäßigen Abständen. In den Arbeitstreffen wird das Gruppengeschehen reflektiert und Veränderungen, Ver­besserungen besprochen und Wege der Umsetzung erarbeitet.
 

AUFGABEN DER BETREUERINNEN BZW. DER EHRENAMTLICHEN MITARBEITERINNEN

Die BetreuerInnen haben in der Gruppe vor allem die Aufgabe der Betreuung und Begleitung der Klienten. Sie organisieren zusammen mit der KoordinatorIn den Nachmittag und schaffen eine Atmosphäre, in der sich der Klient und Erkrankte wohl und akzeptiert fühlt.

Das Einhalten von immer wiederkehrenden Ritualen und die Schaffung einer festen Struktur für den Zeitraum der Betreuung sind von großer Bedeutung. Für die einzelnen Angebote sind Anregungen vorhanden, die als Leitlinie jedoch nicht zwingend einzuhalten sind (siehe Aktivitäten).

Die BetreuerInnen teilen ihren Dienst in Absprache untereinander mit der Koordinatorin selbst ein.

Ein besonderer Schwerpunkt ist die „Beobachtung". Hier ist es wichtig, durch Beobachten der einzelnen Klienten herauszufinden: wo fühlt er sich wohl, was möchte er nicht, wo ist abwehrendes Verhalten........(Beachtung der Biografie des Klienten). In diesen Situationen gilt es zu reagieren und dem Klienten Sicherheit und Akzeptanz sowie Nähe zu vermitteln. Da in der Gruppe eine Betreuung von 1:2 bis 1:1 stattfindet, lässt sich dies umsetzen.

Der Umgang untereinander und miteinander sollte respektvoll und anerkennend sein. Die Atmosphäre kann je nach Naturell der BetreuerInnen humorvoll gestaltet werden. Es ist wichtig, dass  in der Gruppe gelacht werden kann.

Über die Klienten wird eine Anwesenheitsliste geführt, ebenso eine kurze Zusammenfassung des Betreuungszeitraumes. Dies geschieht durch die BetreuerInnen. Die Nachweise werden gleichzeitig zur eigenen Reflexion genutzt und dienen der Überprüfung des Angebotes und der Zielerreichung.
 

QUALIFIKATION UND FACHLICHE BEGLEITUNG DER BETREUERINNEN

Vor Beginn der Betreuungsgruppen ist es erforderlich, mit den BetreuerInnen gemeinsam ihre Erwartungen und Vorkenntnisse zu besprechen. Hierbei kann auch gleichzeitig geklärt werden, in welchem Rahmen und zu welchem Zeitpunkt die Qualifikation (Fortbildung) der Ehrenamtlichen erfolgen soll. Hier ist ein Umfang von mindestens 30 Stunden vorgesehen. Neben Grundlagen der einzelnen Krankheitsbilder wird verstärkt auf Verhaltensbeobachtungen und Interventionsmöglichkeiten Wert gelegt .Die Fortbildungen werden von qualifizierten Fachkräften (Gerontopsychiatrie) durchgeführt. Die KoordinatorIn, die soweit möglich eine fachliche Qualifikation in diesem Bereich mitbringt, steht als Ansprechpartner und als Anleiter zur Verfügung.

Nach jedem Gruppentreffen bietet eine Reflexionsrunde die Möglichkeit, über das Geschehene zu sprechen, sich auszutauschen und Anregungen für das nächste Mal zu finden. Daneben besteht die Möglichkeit, neben regelmäßig angebotenen Fortbildungen das Angebot der Supervision zu nutzen. Dies kann in Form von kollegialer Supervision durchgeführt werden oder unter Anleitung eines Neurologen oder Gerontopsychiaters. Tritt das Gefühl der Überforderung auf, so können die MitarbeiterInnen eine Auszeit nehmen oder sich z.B. auch nur einmal im Monat für die Betreuungsgruppe eintragen. Regelmäßige Arbeitstreffen und der Austausch mit anderen HelferInnen und Ehrenamtlichen, die ebenfalls in der Betreuungsarbeit tätig sind, unterstützen die Qualifikation der BetreuerInnen.
 

ORGANISATION DES DIENSTES (DIENSTPLAN)

Der Dienstplan wird von der KoordinatorIn in eng­er Zusammenarbeit mit ihren MitarbeiterInnen erstellt.  Er ist für einen Zeitraum von mindestens vier Wochen zu erstellen. Mit einer Telefonliste, auf der alle BetreuerInnen verzeichnet sind, hat jede MitarbeiterIn die Gelegenheit, Ihren geplanten Einsatz zu tauschen oder anders zu organisieren. Wichtig ist, dass das jeweils angestrebte Betreuungsverhältnis (Anzahl der BetreuerInnen) gewährleistet wird und dass die Leitung der Gruppe von der KoordinatorIn (in der Regel) oder einer anderen Fachkraft wahrgenommen wird.
 

ERSTGESPRÄCH UND AUFNAHMEKRITERIEN

Vor jeder Entscheidung, ob ein Klient an einer Betreuungsgruppe teilnimmt, steht ein persönliches Gespräch der KoordinatorIn mit dem Klienten und seinen Angehörigen. Eine Aufnahmebeschränkung gibt es nicht. Der Klient muss lediglich mobil sein, um in die Räumlichkeiten der Betreuungsgruppe kommen zu können. Der Besuch der Betreuungsgruppe wird mündlich vereinbart, kann aber jederzeit abgesagt werden. In dem Erstgespräch wird eingehend über den Krankheitsverlauf, die Biographie und vorhandene Fähigkeiten gesprochen. An Hand dieser Daten wird die Entscheidung von der KoordinatorIn getroffen, ob eine Teilnahme an der Betreuungsgruppe sinnvoll ist oder ob eine andere Form eines Angebotes für den Betroffenen angebracht wäre. Hier­bei werden Alternativen aufgezeigt und Kontakte vermittelt.
 

DAUER DER BETREUUNGSZEIT UND ENTSTEHENDE KOSTEN

Die Betreuungsgruppe trifft sich einmal in der Woche an einem Nachmittag für ca. drei Stunden.

Der von den Angehörigen / Klienten zu zahlende Betrag beträgt pro Betreuungsangebot  z. Zt. 30,--€. Einzelne Fahrtkosten können noch hinzukommen. Der Betrag wird einmal im Monat den Angehörigen / Klienten in Rechnung gestellt und von diesen überwiesen. Während der Betreuungszeit wird kein Geld entgegengenommen. Die Angehörigen / der Klient erhält über die Zahlung eine Quittung.

Der Betrag kann unter Umständen von der Pflegekasse erstattet werden. Bei der Antragstellung ist die KoordinatorIn behilflich.
 

GRÖSSE DER ZU BETREUENDEN GRUPPE UND ANZAHL DER EHREN­AMTLICHEN MITARBEITER

Eine Betreuungsgruppe besteht aus bis zu 15 Demenzkranken.

Eine Gruppe setzt sich immer aus den gleichen KlientInnen zusammen. Bestehen mehrere Gruppen, und eine KlientIn möchte ausdrücklich nicht mehr in der von ihr besuchten Gruppe sein, kann sie selbstverständlich jederzeit wechseln.

Bei 15 zu betreuenden KlientInnen sind einschließlich der KoordinatorIn mindestens fünf Betreuungskräfte anwesend.
 

ANGEBOTE UND AKTIVITÄTEN INNERHALB DER BETREUUNGS­GRUPPE

Die Struktur für den Ablauf innerhalb der Betreuungsgruppen sollte immer gleich bleiben.

Zum Beispiel:

§        Persönliche Begrüßung

§        Kaffeetrinken mit Unterhaltung („gepflegtes Gespräch“)

§        Spaziergang (abhängig von der Witterung und körperlicher Verfassung der Klienten)

§        Angebot unterschiedlicher Aktivitäten (siehe folgende Auflistung)

§        Musik (live Musik und singen, alte Platten hören…)

§        Während der ganzen Zeit: Getränke anbieten und Sorge um den

§        Toilettengang

§        Tagesausklang und Abschied

 

Beispiele unterschiedlicher Aktivitäten:

§        Spiele

§        Vorlesen (Märchen, Geschichten von früher oder passend zur Saison )

§        Ansehen von alten Büchern, Zeitschriften, Bildern…

§        Sehr einfache Bastelarbeiten

§        Tanz

§        Bewegung mit und ohne Musik

§        Hauswirtschaftliche Tätigkeiten (Geschirr auf und abdecken, spülen, backen, Wäsche zusammenlegen…)

§        Feiern

 

Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Bei allen Aktivitäten muss die Biografie der KlientInnen mit berücksichtigt werden.

Der Ablauf des Nachmittags braucht nicht bis ins Kleinste geplant und gestaltet werden. Es muss vielmehr die Bereitschaft und Aufmerksamkeit vorhanden sein, auf alle möglichen Ereignisse in Ruhe und Besonnenheit zu reagieren. Außerdem sollte mindestens einmal pro Nachmittag herzhaft gelacht werden.

Während des Betreuungszeitraumes wird nur soviel Hilfestellung und Unterstützung gegeben, wie unbedingt erforderlich ist (Aktivierung und vorhandene Ressourcen der Betreuten stehen im Vordergrund).
 

ANGEBOT EINES FAHRDIENSTES

Ein Fahrdienst soll von uns zunächst nicht angeboten werden. Im Idealfall werden die zu Betreuenden von Angehörigen jeweils gebracht und abgeholt.

Darüber hinaus bieten z.B. die Johanniter in Linden gegen Entgelt einen Fahrdienst an, der in Anspruch genommen werden kann. Die einzelnen Modalitäten sind im Erstgespräch mit der KoordinatorIn zu klären. Die Kosten für den Fahrdienst sind von den Klienten selbst zu tragen und können im Erstgespräch erfragt werden.
 

KOOPERATION MIT ANGEHÖRIGEN

Eine deutliche Entlastung der Angehörigen ist ein erklärtes Ziel des Angebotes der Betreuungsgruppen. Dazu zählt der regelmäßige Kontakt mit den Angehörigen der Klienten. Dies erfolgt schon im Vorfeld bei dem ersten Informationsgespräch. In diesem Gespräch können die Wünsche und Bedürfnisse der Angehörigen, aber auch ihre Bedenken und Ängste besprochen werden.

Bei den Reflexionen und Überprüfungen der Erreichung des Zieles in der Betreuungsplanung sind die Angehörigen die ersten An­sprechpartner. Dabei werden das Verhalten und die individuelle Situation des Klienten besprochen und somit reflektiert, welche Erfolge der Besuch in der Gruppe hat oder was verändert werden sollte.
 

KOOPERATION MIT ANDEREN EINRICHTUNGEN DES GESUNDHEITS- UND SOZIALWESENS

Eine enge Zusammenarbeit erfolgt mit den behandelnden Ärzten, anderen Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens und den Angehörigen. Soweit es erforderlich ist, werden die für eine sinnvolle Betreuung in der Gruppe notwendigen Daten unter Berücksichtigung der Datenschutzbestimmungen ausgetauscht.

Um in Beratungsgesprächen mit den Angehörigen bestimmte Fragen der Finanzierung zu erörtern, ist ein Kontakt zu den Pflegekassen und den Sozialämtern sinnvoll. 

Eine Zusammenarbeit und Informationsaustausch mit Institutionen, die ebenfalls niedrigschwellige Betreuung anbieten, wird angestrebt. Dabei ist ein gezielter Erfahrungsaustausch und / oder die Planung und der Besuch von gemeinsamen Fortbildungen angedacht.
 

NOTFALL

§        In jeder Gruppe ist vorerst mindestens eine Pflegefachkraft anwesend.

§        Ein Telefon und Notfallnummern stehen zur Verfügung.

§        Eine Telefonliste von den Angehörigen befindet sich an einem für alle BetreuerInnen zugänglichen Ort.

§        Ein Notfallkoffer befindet sich in Reichweite

AUSSTATTUNG DER RÄUME

§        große helle Räume

§        behindertengerechte Ausstattung

§        soweit möglich milieugerechte Ausstattung (alte Möbel, Bilder von früher…)

§        soweit möglich Dinge aus der Vergangenheit, die den KlientInnen ein Daheim-Gefühl vermitteln

 

BETREUUNG IN DER HÄUSLICHEN UMGEBUNG DES DEMENZ-KRANKEN

Für manche Demenzkranke ist die Einzelbetreuung in der gewohnten Umgebung besser geeignet als die Gruppenbetreuung. Dann besteht die Möglichkeit, dass eine Betreuungskraft in die Wohnung des Klienten kommt, um ihn dort zu betreuen.

Auch in diesen Fällen wird von der Evangelischen Pflegezentrale Gießen ein Betrag für einen Vor- oder Nachmittag in Rechnung gestellt, welcher u.U. über die Pflegekasse abgerechnet werden kann.
 

DOKUMENTATION

Um das Konzept für die Betreuungsgruppen zu überprüfen und weiter zu entwickeln ist es erforderlich, eine Dokumentation für jeden Klienten zu führen. Diese enthält die Biografie, verwaltungsrelevante Daten, einen Bericht über die Aktivitäten und das Verhalt­en des Klienten sowie die Tagesanwesenheit. Eine Überprüfung der Dokumentation und Betreuungsplanung erfolgt durch die KoordinatorIn in Zusammenarbeit mit den betreuenden Hilfskräften in einem Zeitraum von 4-6 Wochen.
 

EVALUATION DER ANGEBOTE

Grundlage der Evaluation ist die erwähnte Dokumentation sowie die Ergebnisse der Gespräche mit Angehörigen, Rückmeldungen aus Gesprächen mit MitarbeiterInnen der betreuenden Dienste sowie die Reflexionsgespräche mit den BetreuerInnen in der Gruppe. Die Evaluation erfolgt an Hand von Checklisten. Die Ergebnisse der Evaluation sollen als Grundlage dienen, das Konzept zu überprüfen und zu ergänzen bzw. auf die aktuellen Bedürfnisse der Klienten hin anzupassen.
 

FAZIT

Das vorliegende Konzept für Betreuungsgruppen hat zum Ziel, einen Beitrag zur Verbesserung der Versorgungssituation von demenzkranken Menschen zu leisten.

Durch die langjährige Arbeit der Evangelischen Pflegezentrale Gießen mit dementiell Erkrankten ist uns deutlich geworden, dass neben den Betroffenen v. a. deren Angehörige eine deutlich spürbare Entlastung benötigen. Mit diesem Konzept wird diesem Anliegen entsprochen. Angehörige, die selbst eine Entlastung spüren, haben in der Regel mehr Kraft, die Erkrankten in ihrer vertrauten Umgebung zu betreuen und ihnen so den schweren Lebensabschnitt so angenehm wie möglich zu gestalten.

Sr. Margret Müller
Stellv. Pflegedienstleiterin der Ev. Pflegezentrale Gießen
Fachkrankenschwester für Gemeindekrankenpflege
Koordinatorin des "Cafe Schlosser" - Demenzbetreuung

 

 

KOOPERATIONSVERTRAG UNTERZEICHNET
Hospiz-Verein und Ev. Pflegezentrale Gießen arbeiten im häuslichen Bereich zusammen

Um die betreuerischen und pflegerischen Angebote rund um die Hospiz-Arbeit auch im häuslichen Bereich weiter zu entwickeln und zu professionalisieren, haben der Hospiz-Verein Gießen und die Ev. Pflegezentrale Gießen einen Kooperationsvertrag abgeschlossen. Die Anstrengungen beider Einrichtungen zur Verbesserung der ambulanten Versorgung schwerstkranker und sterbender Menschen sowie deren Angehörigen sollen noch besser koordiniert und vernetzt werden. Konkret sollen die bestehenden Angebote gezielter vermittelt und durch die Vernetzung der Kompetenzen weiter entwickelt werden.
Andererseits sollen einschlägige Fort- und Weiterbildungen für Mitarbeiter angeboten, gefördert und ausgebaut werden, um den Umgang und die Qualität der Leistungen zu optimieren.
Der Kooperationsvertrag sowie die damit verbundenen Ziele und Vorstellungen wurden in den Räumen des Hauses der Kirche und Diakonie in der Carl-Franz-Strasse vorgestellt.



 


Im Bild (v.l.): Andreas Kellersmann (Pflegedienstleiter Pflegezentrale), Dr. Frohild Ringe, Doris Krause-Voß (beide Hospiz-Verein Gießen), Wilhelm Mohr (Vorsitzender Kirchengemeindeverband Gießen), Robert Cachandt (Vorsitzender Hospiz-Verein Gießen)
(Quelle: Gießener Anzeiger)

In Kooperation mit den Kranken- und Pflegekassen veranstalten wir zweimal im Jahr ein Kursangebot "Häusliche Krankenpflege" (10 Abende à 90 Minuten).

Die genauen Termine und Veranstaltungsorte werden jeweils rechtzeitig hier sowie in der regionalen Presse bekannt gegeben.

Auch Hinweise auf Einzelveranstaltungen oder sonstige Kurse können Sie hier finden.

 

 

 

 

 

letzte Aktualisierung: 14. Oktober 2010