|
Demenz -
ein Thema unserer Zeit
"Cafe Schlosser" - Demenzbetreuung
Angesichts der
demographischen und gesellschaftspolitischen Entwicklung in unsere
Gesellschaft stellt sich die Frage wie ein „ Altern in Würde“ aussehen
kann. Familiäre Strukturen wandeln sich, die Lebenserwartung steigt und
die Zahl der alten und sehr alten Menschen nimmt zu. Damit einhergehen
spezifische Alterserkrankungen.
Es gibt einen normal zu
bezeichnenden Rückgang geistiger Fähigkeiten im Alter. Wenn sich das
Verhalten jedoch gravierend ändert, liegt der Verdacht nahe , dass es
sich um eine Demenz handelt.
Klassifiziert wird
Demenz laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) als:
„Organisch bedingter,
fortschreitender Verlust zuvor vorhandener geistiger Fähigkeiten.
Komplexes Symptombild eines chronischen Verwirrtheitszustandes mit
Gedächtnis-, Wahrnehmungs- und Denkstörungen, Desorientiertheit,
Persönlichkeitsveränderungen und in der Folge auch körperlichen Abbau“
Die Alzheimer-Krankheit
hat einen Anteil von etwa 50% an den Demenzerkrankungen
Ein gesunder Mensch
erlebt sein Dasein als einen kontinuierlichen Zustand. Er weiß um seine
Person, kennt Datum und Ort, an dem er sich befindet,, und die
Absichten, die er mit einer Handlung verfolgt. Für einen verwirrten
Menschen kann die Welt in zeitliche Bruchstücke zerfallen, die Umgebung
wird verzerrt wahrgenommen und Bezugspersonen nicht erkannt. Es gelingt
ihm zunehmend weniger, sich an der Gegenwart zu orientieren. Die
Fähigkeit , Erlebtes zu ordnen und ihm Sinn zu verleihen, geht verloren.
Der Betroffene erlebt dies als Kontrollverlust, der das Selbstwertgefühl
negativ beeinflusst. Das Gefühl sich nicht verständigen zu können und
unverstanden zu sein, kann zu Trauer und Verzweiflung führen. Einige
Patienten reagieren darauf erregt und aggressiv, andere werden still,
lethargisch und ziehen sich zurück. Bei chronischer Verwirrtheit werden
durch die Beeinträchtigung der Gedächtnisleistung selbst größere
Lebensabschnitte vergessen. Die Suche nach Vertrautheit wird zum
zentralen Thema. Da häufig Erlebnisse aus früheren Erwachsenenzeit
präsent sind, wird versucht, Lebensumstände und Rollen aus dieser Zeit
wieder zu finden. Außenstehende interpretieren dieses Verhalten als
„Weglaufen“. Das Erleben und Verhalten verwirrter Menschen variiert
stark.
Die Pflege eines
Demenz-Patienten ist für Familienangehörige mit erheblichen Belastungen
verbunden. Meist ruht die Hauptlast der Betreuung in der Familie auf
den Schultern einer Person ( des Ehepartners, der Tochter oder der
Schwiegertochter), die oft selbst schon älter und auf Dauer der enormen
Belastung nicht gewachsen ist. Daher bieten wir als Ev. Pflegezentrale
Hilfen für die tägliche
Unterstützung bei der
Versorgung von Demenz-Patienten an, denn ständige Überforderung führt zu
Unzufriedenheit, Hektik und Aggressionen und schadet dadurch auch dem
Kranken.
Im Sommer 2008 startete die Ev. Pflegezentrale Gießen,
in Zusammenarbeit mit der Pankratiusgemeinde Gießen, die Einrichtung
eines Gruppenangebotes zur Betreuung Demenz-Kranker. Jeden Donnerstag
wird, für drei Stunden, in den Räumen der Pankratiusgemeinde eine
solche Gruppe angeboten werden.
Helfen
kann außerdem der Gedankenaustausch mit Angehörigen und anderen
Betroffenen in einer Selbsthilfegruppe. Wir bieten monatlich eine
Gesprächsrunde. Termine und Anmeldungen bei der Ev. Pflegezentrale
unter der Rufnummer 0641-9260060.
Ein
spezielles Krankheitsbild erfordert auch spezielle Konzepte. Die Ev.
Pflegezentrale hat ein Betreuungskonzept entwickelt mit dem Ziel:
Pflegende Angehörige regelmäßig, stundenweise, von der Betreuung des
Demenzkranken zu entlasten. Den Klienten bietet die Betreuungsgruppe
die Möglichkeit, Gemeinschaft für einige Stunden in einem „geschützten
Raum“ zu erfahren. Anerkannte Therapieansätze, wie Integrative
Validation und Basale Stimulation, werden wir umsetzen.
AUSGANGSSITUATION und FINANZIERUNG
Der
Aufbau von niedrigschwelligen Angeboten zur Verbesserung der
Versorgungssituation, insbesondere für demenzkranke Menschen, wird durch
das Pflegeleistungs-Ergänzungsgesetz gefördert.
Mit diesem Anliegen will der Gesetzesgeber
den Aufbau eines Netzes aus unterschiedlich abgestuften,
bedürfnisorientierten und gemeindenahen Hilfen und Versorgungsangeboten
unterstützen.
Zu den niedrigschwelligen Angeboten zählen:
z.B. Betreuungsgruppen für Demenzkranke und die Betreuung in
der häuslichen Umgebung des Demenzkranken.
Niedrigschwellig ist ein Betreuungsangebot
dann, wenn geschulte ‚HelferInnen’ (BetreuerInnen) auf ehrenamtlicher
Basis (oder im Niedriglohnsektor) unter pflegefachlicher Anleitung die
Betreuung in der Gruppe oder im häuslichen Bereich übernehmen.
Die Finanzierung der Betreuungsnachmittage
kann – zumindest teilweise – über § 45 c SGB IX erfolgen.
Hier wird die Möglichkeit der Förderung
eines niedrigschwelligen Angebotes durch die Spitzenverbände der
Pflegekassen festgeschrieben. Im Rahmen der Vergütung durch die
Leistungen der Pflegekassen haben die Betroffenen oder ihre Angehörigen
die Möglichkeit der Rückvergütung des finanziellen Aufwandes für die
Betreuung.
Hierzu ist eine gesonderte Antragstellung
bei der Pflegekasse erforderlich.
ZIEL DES BETREUUNGSGRUPPENANGEBOTS
Die pflegenden Angehörigen sollen regelmäßig
stundenweise von der Betreuung des Demenzkranken entlastet werden, so
dass sie den gewonnenen zeitlichen Freiraum unbeschwert nutzen können.
Dadurch können die Angehörigen Kraft für die
weitere Betreuungsleistung schöpfen.
Den Klienten bieten die Betreuungsgruppen
die Möglichkeit, Gemeinschaft für einige Stunden in einem „geschützten
Raum“ zu erfahren.
ORGANISATION DER BETREUUNGSANGEBOTE
Die Evangelische Pflegezentrale Gießen hat
ein solches Angebot in Gießen für Interessierte aufgebaut.
Dabei wird die Organisation, die fachliche
Begleitung, Betreuung und Koordination von Mitarbeiterinnen der Evang.
Pflegezentrale geleistet.
Ehrenamtliche bzw. niedrigschwellige Helfer
und Helferinnen werden durch den Förderverein Ev. Pflegezentrale Gießen
e.V. gestellt und betreut. Die Räumlichkeiten in der Innenstadt werden
von der Pankratiusgemeinde Gießen zur Verfügung gestellt. Für ergänzende
Leistungen steht die Georg-Schlosser-Stiftung mit Hilfe zur Verfügung.
Insofern arbeiten die Evangelische
Pflegezentrale Gießen, der Förderverein Ev. Pflegezentrale Gießen e.V.,
die Pankratiusgemeinde Gießen und die Georg-Schlosser-Stiftung zu diesem
Zweck eng zusammen.
PERSONELLE
AUSSTATTUNG
Die Betreuung in der Gruppe wird 1:1 oder
1:2 durchgeführt. Das bedeutet, dass eine Betreuerin für höchstens zwei
zu betreuende Klienten zuständig ist. (Der Betreuungsschlüssel ist
abhängig von der Ausprägung des Krankheitsbildes bei den Klienten.)
Die Leitung innerhalb der zu betreuenden
Gruppe, liegt bei einer qualifizierten Fachkraft (KoordinatorIn) der Ev.
Pflegezentrale Gießen.
AUFGABEN
DER KOORDINATORIN/ DES KOORDINATORS
Ein Schwerpunkt der Aufgaben der
KoordinatorIn liegt im wesentlichen in der Schaffung eines anregenden,
vor allem Sicherheit und Geborgenheit vermittelnden Umfeldes. Dazu ist
es erforderlich, dass ein breites und fundiertes Fachwissen über das
Krankheitsbild Demenz sowie über die unterschiedlichen Formen und
Ausprägungen vorhanden ist.
Die KoordinatorIn knüpft und hält Kontakt zu
den einzelnen Diensten und Organisationen im Sozial- und
Gesundheitswesen. Sie steht den Angehörigen als erste Ansprechstelle zur
Verfügung. Die Informationssammlung für eine Aufnahme in die Gruppe wird
von ihr erstellt und sie holt erforderliche Informationen von ambulanten
Diensten oder den betreuenden Ärzten ein und gibt ebenso Informationen
an diese Stellen weiter.
Im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit wirbt
sie für das Projekt und für ehrenamtliche MitarbeiterInnen.
Für die MitarbeiterInnen ist sie erster
Ansprechpartner und fachlicher Begleiter in der Betreuungssituation. Die
organisatorischen Rahmenbedingungen (Einkaufen und Besorgen von Kaffee
und Kuchen, benötigten Gegenständen...) findet ebenfalls unter ihrer
Anleitung statt.
Der erforderliche Dienstplan für die
einzelnen Betreuungstage ist von ihr in Zusammenarbeit mit den
zugeordneten BetreuerInnen zu erstellen.
Sie führt die Wartelisten für die
Anmeldungen, entscheidet über die Aufnahme in die Gruppe und hält den
ständigen Kontakt zu Angehörigen.
Weiterhin organisiert sie die erforderlichen
Fortbildungen und Arbeitstreffen in regelmäßigen Abständen. In den
Arbeitstreffen wird das Gruppengeschehen reflektiert und Veränderungen,
Verbesserungen besprochen und Wege der Umsetzung erarbeitet.
AUFGABEN DER BETREUERINNEN BZW. DER
EHRENAMTLICHEN MITARBEITERINNEN
Die BetreuerInnen haben in der Gruppe vor
allem die Aufgabe der Betreuung und Begleitung der Klienten. Sie
organisieren zusammen mit der KoordinatorIn den Nachmittag und schaffen
eine Atmosphäre, in der sich der Klient und Erkrankte wohl und
akzeptiert fühlt.
Das Einhalten von immer wiederkehrenden
Ritualen und die Schaffung einer festen Struktur für den Zeitraum der
Betreuung sind von großer Bedeutung. Für die einzelnen Angebote sind
Anregungen vorhanden, die als Leitlinie jedoch nicht zwingend
einzuhalten sind (siehe Aktivitäten).
Die BetreuerInnen teilen ihren Dienst in
Absprache untereinander mit der Koordinatorin selbst ein.
Ein besonderer Schwerpunkt ist die
„Beobachtung". Hier ist es wichtig, durch Beobachten der einzelnen
Klienten herauszufinden: wo fühlt er sich wohl, was möchte er nicht, wo
ist abwehrendes Verhalten........(Beachtung der Biografie des Klienten).
In diesen Situationen gilt es zu reagieren und dem Klienten Sicherheit
und Akzeptanz sowie Nähe zu vermitteln. Da in der Gruppe eine Betreuung
von 1:2 bis 1:1 stattfindet, lässt sich dies umsetzen.
Der Umgang untereinander und miteinander
sollte respektvoll und anerkennend sein. Die Atmosphäre kann je nach
Naturell der BetreuerInnen humorvoll gestaltet werden. Es ist wichtig,
dass in der Gruppe gelacht werden kann.
Über die Klienten wird eine
Anwesenheitsliste geführt, ebenso eine kurze Zusammenfassung des
Betreuungszeitraumes. Dies geschieht durch die BetreuerInnen. Die
Nachweise werden gleichzeitig zur eigenen Reflexion genutzt und dienen
der Überprüfung des Angebotes und der Zielerreichung.
QUALIFIKATION
UND FACHLICHE BEGLEITUNG
DER BETREUERINNEN
Vor Beginn der Betreuungsgruppen ist es
erforderlich, mit den BetreuerInnen gemeinsam ihre Erwartungen und
Vorkenntnisse zu besprechen. Hierbei kann auch gleichzeitig geklärt
werden, in welchem Rahmen und zu welchem Zeitpunkt die Qualifikation
(Fortbildung) der Ehrenamtlichen erfolgen soll. Hier ist ein Umfang von
mindestens 30 Stunden vorgesehen. Neben Grundlagen der einzelnen
Krankheitsbilder wird verstärkt auf Verhaltensbeobachtungen und
Interventionsmöglichkeiten Wert gelegt .Die Fortbildungen werden von
qualifizierten Fachkräften (Gerontopsychiatrie) durchgeführt. Die
KoordinatorIn, die soweit möglich eine fachliche Qualifikation in diesem
Bereich mitbringt, steht als Ansprechpartner und als Anleiter zur
Verfügung.
Nach jedem Gruppentreffen bietet eine
Reflexionsrunde die Möglichkeit, über das Geschehene zu sprechen, sich
auszutauschen und Anregungen für das nächste Mal zu finden. Daneben
besteht die Möglichkeit, neben regelmäßig angebotenen Fortbildungen das
Angebot der Supervision zu nutzen. Dies kann in Form von kollegialer
Supervision durchgeführt werden oder unter Anleitung eines Neurologen
oder Gerontopsychiaters. Tritt das Gefühl der Überforderung auf, so
können die MitarbeiterInnen eine Auszeit nehmen oder sich z.B. auch nur
einmal im Monat für die Betreuungsgruppe eintragen. Regelmäßige
Arbeitstreffen und der Austausch mit anderen HelferInnen und
Ehrenamtlichen, die ebenfalls in der Betreuungsarbeit tätig sind,
unterstützen die Qualifikation der BetreuerInnen.
ORGANISATION DES DIENSTES (DIENSTPLAN)
Der Dienstplan wird von der KoordinatorIn in
enger Zusammenarbeit mit ihren MitarbeiterInnen erstellt. Er ist für
einen Zeitraum von mindestens vier Wochen zu erstellen. Mit einer
Telefonliste, auf der alle BetreuerInnen verzeichnet sind, hat jede
MitarbeiterIn die Gelegenheit, Ihren geplanten Einsatz zu tauschen oder
anders zu organisieren. Wichtig ist, dass das jeweils angestrebte
Betreuungsverhältnis (Anzahl der BetreuerInnen) gewährleistet wird und
dass die Leitung der Gruppe von der KoordinatorIn (in der Regel) oder
einer anderen Fachkraft wahrgenommen wird.
ERSTGESPRÄCH UND AUFNAHMEKRITERIEN
Vor jeder Entscheidung, ob ein Klient an
einer Betreuungsgruppe teilnimmt, steht ein persönliches Gespräch der
KoordinatorIn mit dem Klienten und seinen Angehörigen. Eine
Aufnahmebeschränkung gibt es nicht. Der Klient muss lediglich mobil
sein, um in die Räumlichkeiten der Betreuungsgruppe kommen zu können.
Der Besuch der Betreuungsgruppe wird mündlich vereinbart, kann aber
jederzeit abgesagt werden. In dem Erstgespräch wird eingehend über den
Krankheitsverlauf, die Biographie und vorhandene Fähigkeiten gesprochen.
An Hand dieser Daten wird die Entscheidung von der KoordinatorIn
getroffen, ob eine Teilnahme an der Betreuungsgruppe sinnvoll ist oder
ob eine andere Form eines Angebotes für den Betroffenen angebracht wäre.
Hierbei werden Alternativen aufgezeigt und Kontakte vermittelt.
DAUER DER BETREUUNGSZEIT UND ENTSTEHENDE
KOSTEN
Die Betreuungsgruppe trifft sich einmal in
der Woche an einem Nachmittag für ca. drei Stunden.
Der von den Angehörigen / Klienten zu
zahlende Betrag beträgt pro Betreuungsangebot z. Zt. 30,--€. Einzelne
Fahrtkosten können noch hinzukommen. Der Betrag wird einmal im Monat den
Angehörigen / Klienten in Rechnung gestellt und von diesen überwiesen.
Während der Betreuungszeit wird kein Geld entgegengenommen. Die
Angehörigen / der Klient erhält über die Zahlung eine Quittung.
Der Betrag kann unter Umständen von der
Pflegekasse erstattet werden. Bei der Antragstellung ist die
KoordinatorIn behilflich.
GRÖSSE DER ZU BETREUENDEN GRUPPE UND
ANZAHL DER EHRENAMTLICHEN MITARBEITER
Eine Betreuungsgruppe besteht aus bis zu 15
Demenzkranken.
Eine Gruppe setzt sich immer aus den
gleichen KlientInnen zusammen. Bestehen mehrere Gruppen, und eine
KlientIn möchte ausdrücklich nicht mehr in der von ihr besuchten Gruppe
sein, kann sie selbstverständlich jederzeit wechseln.
Bei 15 zu betreuenden KlientInnen sind
einschließlich der KoordinatorIn mindestens fünf Betreuungskräfte
anwesend.
ANGEBOTE UND AKTIVITÄTEN INNERHALB DER
BETREUUNGSGRUPPE
Die Struktur für den Ablauf innerhalb der
Betreuungsgruppen sollte immer gleich bleiben.
Zum Beispiel:
§
Persönliche Begrüßung
§
Kaffeetrinken mit Unterhaltung
(„gepflegtes Gespräch“)
§
Spaziergang (abhängig von der
Witterung und körperlicher Verfassung der Klienten)
§
Angebot unterschiedlicher
Aktivitäten (siehe folgende Auflistung)
§
Musik (live Musik und singen,
alte Platten hören…)
§
Während der ganzen Zeit:
Getränke anbieten und Sorge um den
§
Toilettengang
§
Tagesausklang und Abschied
Beispiele unterschiedlicher Aktivitäten:
§
Spiele
§
Vorlesen (Märchen, Geschichten
von früher oder passend zur Saison )
§
Ansehen von alten Büchern,
Zeitschriften, Bildern…
§
Sehr einfache Bastelarbeiten
§
Tanz
§
Bewegung mit und ohne Musik
§
Hauswirtschaftliche
Tätigkeiten (Geschirr auf und abdecken, spülen, backen, Wäsche
zusammenlegen…)
§
Feiern
Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.
Bei allen Aktivitäten muss die Biografie der KlientInnen mit
berücksichtigt werden.
Der Ablauf des Nachmittags braucht nicht bis
ins Kleinste geplant und gestaltet werden. Es muss vielmehr die
Bereitschaft und Aufmerksamkeit vorhanden sein, auf alle möglichen
Ereignisse in Ruhe und Besonnenheit zu reagieren. Außerdem sollte
mindestens einmal pro Nachmittag herzhaft gelacht werden.
Während des Betreuungszeitraumes wird nur
soviel Hilfestellung und Unterstützung gegeben, wie unbedingt
erforderlich ist (Aktivierung und vorhandene Ressourcen der Betreuten
stehen im Vordergrund).
ANGEBOT EINES FAHRDIENSTES
Ein Fahrdienst soll von uns zunächst nicht
angeboten werden. Im Idealfall werden die zu Betreuenden von Angehörigen
jeweils gebracht und abgeholt.
Darüber hinaus bieten z.B. die Johanniter in
Linden gegen Entgelt einen Fahrdienst an, der in Anspruch genommen
werden kann. Die einzelnen Modalitäten sind im Erstgespräch mit der
KoordinatorIn zu klären. Die Kosten für den Fahrdienst sind von den
Klienten selbst zu tragen und können im Erstgespräch erfragt werden.
KOOPERATION MIT ANGEHÖRIGEN
Eine deutliche Entlastung der Angehörigen
ist ein erklärtes Ziel des Angebotes der Betreuungsgruppen. Dazu zählt
der regelmäßige Kontakt mit den Angehörigen der Klienten. Dies erfolgt
schon im Vorfeld bei dem ersten Informationsgespräch. In diesem Gespräch
können die Wünsche und Bedürfnisse der Angehörigen, aber auch ihre
Bedenken und Ängste besprochen werden.
Bei den Reflexionen und Überprüfungen der
Erreichung des Zieles in der Betreuungsplanung sind die Angehörigen die
ersten Ansprechpartner. Dabei werden das Verhalten und die individuelle
Situation des Klienten besprochen und somit reflektiert, welche Erfolge
der Besuch in der Gruppe hat oder was verändert werden sollte.
KOOPERATION MIT ANDEREN EINRICHTUNGEN DES
GESUNDHEITS- UND SOZIALWESENS
Eine enge Zusammenarbeit erfolgt mit den
behandelnden Ärzten, anderen Einrichtungen des Gesundheits- und
Sozialwesens und den Angehörigen. Soweit es erforderlich ist, werden die
für eine sinnvolle Betreuung in der Gruppe notwendigen Daten unter
Berücksichtigung der Datenschutzbestimmungen ausgetauscht.
Um in Beratungsgesprächen mit den
Angehörigen bestimmte Fragen der Finanzierung zu erörtern, ist ein
Kontakt zu den Pflegekassen und den Sozialämtern sinnvoll.
Eine Zusammenarbeit und
Informationsaustausch mit Institutionen, die ebenfalls niedrigschwellige
Betreuung anbieten, wird angestrebt. Dabei ist ein gezielter
Erfahrungsaustausch und / oder die Planung und der Besuch von
gemeinsamen Fortbildungen angedacht.
NOTFALL
§
In jeder Gruppe ist vorerst
mindestens eine Pflegefachkraft anwesend.
§
Ein Telefon und Notfallnummern
stehen zur Verfügung.
§
Eine Telefonliste von den
Angehörigen befindet sich an einem für alle BetreuerInnen zugänglichen
Ort.
§
Ein Notfallkoffer befindet
sich in Reichweite
AUSSTATTUNG DER RÄUME
§
große helle Räume
§
behindertengerechte
Ausstattung
§
soweit möglich milieugerechte
Ausstattung (alte Möbel, Bilder von früher…)
§
soweit möglich Dinge aus der
Vergangenheit, die den KlientInnen ein Daheim-Gefühl vermitteln
BETREUUNG IN DER HÄUSLICHEN UMGEBUNG DES
DEMENZ-KRANKEN
Für manche Demenzkranke ist die
Einzelbetreuung in der gewohnten Umgebung besser geeignet als die
Gruppenbetreuung. Dann besteht die Möglichkeit, dass eine
Betreuungskraft in die Wohnung des Klienten kommt, um ihn dort zu
betreuen.
Auch in diesen Fällen wird von der
Evangelischen Pflegezentrale Gießen ein Betrag für einen Vor- oder
Nachmittag in Rechnung gestellt, welcher u.U. über die Pflegekasse
abgerechnet werden kann.
DOKUMENTATION
Um das Konzept für die Betreuungsgruppen zu
überprüfen und weiter zu entwickeln ist es erforderlich, eine
Dokumentation für jeden Klienten zu führen. Diese enthält die Biografie,
verwaltungsrelevante Daten, einen Bericht über die Aktivitäten und das
Verhalten des Klienten sowie die Tagesanwesenheit. Eine Überprüfung der
Dokumentation und Betreuungsplanung erfolgt durch die KoordinatorIn in
Zusammenarbeit mit den betreuenden Hilfskräften in einem Zeitraum von
4-6 Wochen.
EVALUATION DER ANGEBOTE
Grundlage der Evaluation ist die erwähnte
Dokumentation sowie die Ergebnisse der Gespräche mit Angehörigen,
Rückmeldungen aus Gesprächen mit MitarbeiterInnen der betreuenden
Dienste sowie die Reflexionsgespräche mit den BetreuerInnen in der
Gruppe. Die Evaluation erfolgt an Hand von Checklisten. Die Ergebnisse
der Evaluation sollen als Grundlage dienen, das Konzept zu überprüfen
und zu ergänzen bzw. auf die aktuellen Bedürfnisse der Klienten hin
anzupassen.
FAZIT
Das vorliegende Konzept für
Betreuungsgruppen hat zum Ziel, einen Beitrag zur Verbesserung der
Versorgungssituation von demenzkranken Menschen zu leisten.
Durch die langjährige Arbeit der
Evangelischen Pflegezentrale Gießen mit dementiell Erkrankten ist uns
deutlich geworden, dass neben den Betroffenen v. a. deren Angehörige
eine deutlich spürbare Entlastung benötigen. Mit diesem Konzept wird
diesem Anliegen entsprochen. Angehörige, die selbst eine Entlastung
spüren, haben in der Regel mehr Kraft, die Erkrankten in ihrer
vertrauten Umgebung zu betreuen und ihnen so den schweren
Lebensabschnitt so angenehm wie möglich zu gestalten.
Sr. Margret Müller
Stellv. Pflegedienstleiterin der Ev. Pflegezentrale Gießen
Fachkrankenschwester für Gemeindekrankenpflege
Koordinatorin des "Cafe Schlosser" - Demenzbetreuung
|